Veröffentlichungen

"Der Mann ist ein Systemsprenger"

von rast vom 16.07.2017 in Die Glocke online
Details: www.die-glocke.de

Die Glocke berichtete über den weiteren Hauptverhandlungstermin gegen den psychisch kranken Albaner, dem die Staatsanwaltschaft Bielefeld im Sicherungsverfahren vorwirft, Körperverletzung, versuchte gefärliche Körperverletzung und versuchte Nötigung begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft betreibt das Verfahren nach wie vor mit dem Ziel, den Mann in einer psychiatrischen Eineichtung unterbringen zu lassen.

Im Hauptverhandlungstermin wurde der psychiatrische Sachverständige gehört, der dem Mann eine hirnorganische Störung, resultierend aus einem Verkehrsunfall im Jahr 1992, bescheinigte. Zum Zeitpunkt der Tat sei sowohl die Steuerungsfähigkeit, als auch die Einsichtsfähigkeit des Mannes im Sinne des § 20 StGB aufgehoben gewesen. Es habe Schuldunfähigkeit vorgelegen. 

Gleichwohl sei der Mann nicht gefährlich für die Allgemeinheit, denn bei dem vorliegenden Vorfall habe es sich um eine "hochspezifische Situation" gehandelt, die durch paranoide Verkennung überlagert gewesen sei. Für die Zukunft seien mit Sicherheit Eigentumsdelikte zu erwarten, Taschendiebstähle seien seine "Überlebensstrategie". Mit Körperverletzungsdelikten sei jedoch nicht zu rechnen. Damit lägen die Voraussetzungen für eine Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus nicht vor. Allerdings sei der Mann ein "Systemsprenger", weder in einem psychiatrischem Krankenhaus noch in einer Justizvollzugsanstalt sei er gut aufgehoben, aber auch in Freiheit werde er kaum zurecht kommen.

Seitens der Verteidigung wurde im Schlussplädoyer dargelegt, dass die Voraussetzungen einer Unterbringung im Maßregelvollzug nicht vorliegen, weshalb der Antrag der Staatsanwaltschaft abzulehnen sei und der Unterbringungsbefehl des Amtsgerichts Bielefeld aufgehoben werden müsse.

Das Urteil soll am 20.07.2017 um 14:00 Uhr verkündet werden.

Als Verteidiger tätig: Rechtsanwältin und Fachanwältin für Strafrecht Ursula Knecht